Damit kommen wir zur vierten Überlegung, der Plausibilität von weiteren energetischen Maßnahmen in Anbetracht ihrer Kosten und Amortisierungszeit. Wir haben aktuell Stromkosten von 350−450 Euro pro Jahr. Bei einer angenommenen Reduktion dieser Kosten um 50 % durch eine Photovoltaik-Anlage würden wir pro Jahr also ca. 200−300 Euro sparen. Eine Photovoltaikanlage mit 10 kW Peak und 10 kWh Speicher kostet derzeit (2024) ca. 20.000 Euro. Ohne Förderungen würde es also 66−100 Jahre dauern, bis sich die Kosten amortisiert hätten. In dieser Zeit wird die Anlage zwei bis dreimal erneuert werden müssen, ganz abgesehen davon, dass wir das wohl nicht mehr erleben werden. Unter Plausibilitäts-Gesichtspunkten machte es FÜR UNS (!) also keinen Sinn, eine Photovoltaikanlage aufs Dach zu bauen. Trotzdem habe ich die Kabel dafür schon verlegt, denn man weiß ja nie, wie sich die Rahmenbedingungen noch verändern werden.
Ich schreibe das deshalb so ausführlich, weil das alles sehr individuelle Entscheidungsparameter sind, die sich bei jungen Familien ganz anders darstellen können. Sollte für dich nach Abwägung aller Argumente doch ein Passivhaus oder ein KfW-40- oder gar ein KfW-40-plus-Haus als Maß der Dinge sein, dann lässt sich natürlich auch dieses mit der SchlauBau-Methode realisieren. Es müssen halt alle energierelevanten Einflussfaktoren wie Wand- und Dachstärke, Dämmmaterial, Heizquelle usw. auf die höheren Anforderungen angepasst werden.
Den Energieausweis lassen wir von der Fa. Kausl Konzept in Weiten berechnen. Unser Architekt Hans-Peter Meyer kennt Rene Kausl, Geschäftsführer von Kausl Konzept, persönlich. Aus dem Energieausweis ergeben sich die Richtlinien für den Boden- und den Wandaufbau mit den jeweiligen Dämmstärken.
Kausl-Konzept hat sich darauf spezialisiert, Haustechnik schlau einzusetzen. Ziel solcher Lösungen ist es, alle Aspekte – darunter Komfort, Betriebskosten, nachhaltige und umweltfreundliche Energiesysteme etc. – in das Konzept einzubeziehen. Die Verbindung von Strom und Wärme ist ein Schwerpunkt des Unternehmens. Das Motto lautet:
«Jede nicht verbrauchte kWh ist die richtige kWh.»
Als Alternative zu einer Wärmepumpe hätte es – zumindest zum damaligen Zeitpunkt – noch deutlich günstigere Heizungslösungen gegeben, beispielsweise eine Gastherme. Aber derlei Heizungen sind ja seit einigen wenigen Jahren verpönt bis geächtet, weshalb wir ganz froh sind, uns für eine moderne Heizung entschieden zu haben. Für ein 100.000-Euro-Haus wäre eine Gastherme die angemessenere, weil deutlich günstigere Variante gewesen. Allerdings brauchen wir für unser Lebensmodell, bei dem wir rund sechs Monate des Jahres unterwegs sind, eine moderne, über das Internet steuerbare Heizungsform, um auch von unterwegs Zugriff auf die Daten zu haben und ggf. steuernd eingreifen zu können.
In der Regel läuft der energetische Planungsprozess so ab, dass der Architekt oder Planer mit der Bauherrschaft den gewünschten ener- getischen Standard festlegt. Diesem Standard liegen auf der einen Seite Bedingungen an Dämmstärken und einzubauenden Komponenten zugrunde, um das gewünschte Energieniveau zu erreichen, auf der anderen Seite mehr oder weniger attraktive Förderungen, aber auch Restriktionen.
Als Bauherr sollte man sich bewusst machen, dass jede energetisch wirksame Maßnahme in die Energieberechnung einfließt und den Gesamtenergiebedarf zu einem gewissen Prozentsatz positiv oder negativ beeinflusst.