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04. Energieausweis

Welcher Energiestandard ist der richtige?

Beim Neubau stellt sich dem Häuslebauer die Frage, welcher energetische Standard mit dem Haus angestrebt wird. Spontan wird jeder sagen: «Der Höchste! Ich will möglichst wenig teure Energie verbraten, die Umwelt minimal belasten und so viele Förderungen wie möglich nutzen.» Das ist die eine Seite der Medaille.
 
Die andere Seite ist die der Kosten. Denn die verschiedenen energetischen Maßnahmen treiben die Baukosten und damit die Kreditsumme in die Höhe. Die Investitionskosten steigen linear, wenn nicht sogar exponentiell zur Energieeinsparung bzw. Energiegewinnung.
 
Zum einen möchte man die Dämmung der Haushülle verbessern und somit den winterlichen Wärmeenergieverlust und den sommerlichen Wärmeeintrag minimieren. Daraus resultieren in der Regel dickere Außenwände, die – will man die gleiche Wohnfläche erreichen – ein um das entsprechende Maß größeres Haus bedingen. Das bedeutet, dass alle Flächen – von der Bodenplatte bis zu den Fassaden- und Dachflächen – größer werden. Dickere Wände erfordern mehr Dämmmaterial, was auch diese Kosten in die Höhe treibt. Als nächstes stellt sich die Frage, mit welchem Dämmmaterial gedämmt wird. Hier bietet Mineral- wolle – zumindest auf dem Papier – die besseren Dämmwerte, kann in Eigenregie eingebracht werden und ist günstiger als eine Einblasdämmung. Die hat allerdings Vorteile bei der Phasenverschiebung, weshalb wir uns trotz des schlechteren U-Werts für diese Art der Dämmung entschieden haben. Auch die Dachform ist hierbei relevant, weil beispielsweise ein Satteldach eine größere Dachfläche aufweist, als ein Pult- oder gar ein Flachdach.
 
Zum anderen geht es um Maßnahmen, die die Energieeffizienz steigern. So erzeugen beispielsweise Wärmepumpen Wärmeenergie im Faktor 3:1 oder sogar 4:1. Oder man nützt regenerative Energie, etwa jene der Sonne, für die Stromgewinnung (Photovoltaik) oder für die Erzeugung von Warmwasser (Solarthermie). Weil Energie meist nicht dann gebraucht wird, wenn sie generiert wird, helfen Akkus oder große Wasser-Pufferspeicher, die Energie zu speichern und später nutzbar zu machen. Je nach Land oder Region kann es auch wirtschaftlich sinnvoll sein, den erzeugten Solarstrom ins Netz einzuspeisen.
 
Die Staaten und Länder versuchen, die Kosteneffekte energetischer Maßnahmen durch Förderungen in Form von zinsgünstigen Krediten bis hin zu bar ausgezahlten Fördersummen abzufedern. Aber am Ende steht eine zu finanzierende Summe der Eigenkapitalquote gegen- über – und damit steht oder fällt die Entscheidung des Kreditinstituts, das Bauprojekt zu finanzieren oder eben nicht. Es ist also jeder Bauherr aufgerufen, den für die individuellen Anforderungen und finanziellen Möglichkeiten passenden Energiestandard zu finden, die damit verbundenen Kosten zu stemmen.